Kulturmosaik Anatolien

Grundlagen der heutigen tükischen Zivilisation.

Die Türkei gehört zu einigen wenigen Ländern der Welt, die eine besonders große Vielfalt an gut erhaltenen Altertümern haben. Auf dem Gebiet der heutigen Türkei wurden über etliche Jahrhunderte viele Grundlagenwissenschaften entwickelt, wie z.B. die Philosophie.

Viele hörten in der Schule vom „Ilias“ des Homer und von Troja, vom berühmten phrygischen König Midas, vom sagenhaft reichen Lyderkönig Kroisos. In Demre befindet sich die Kirche des Heiligen Nikolaus, in Istanbul die Hagia Sophia, im Nordosten das Sümela-Kloster und in Mittelanatolien die 1001 Felsenkirchen. Auch Ephesos und die Marienkirche, die der Papst Ende 2006 besuchte, befinden sich dort.

Die ältesten Siedlungen der Welt
Als der Mensch das Nomadenleben aufgab begann er sich zu einem wirklich schöpferisch produzierenden Wesen zu entwickeln. Zu dieser wichtigen Stufe (Jungsteinzeit 8000 – 5500 v.Chr.) der Menschheitsgeschichte gehören die Siedlungen von Çayönü, Hacilar und Çatalhöyük in Anatolien, die zusammen mit der Siedlung Jericho in Jordanien zu den ältesten Vertretern dieser Periode gezählt werden. Die Funde von Çatalhöyük und Hacilar sind im Museum für Anatolische Zivilisation in Ankara ausgestellt.

Die älteste namentlich bekannte Kultur Anatoliens: Die Hatti (3000 – 2000 v.Chr.)
Nach einer langen Stagnationszeit (zwischen 5500 und 3000 v.Chr.) wurde Anatolien wieder Schauplatz großer Kulturen. Nach Mesopotamien und Ägypten war der einheimische Volksstamm der Hatti (3000 – 2000 v.Chr.) eine der bedeutendsten Gesellschaften des Zeitalters. Im Museum für Anatolische Zivilisationen in Ankara werden die Kunstwerke der Hatti aus Gold, Silber, Elektron, Bronze und Keramik von den Fundstätten Alacahöyük, Horoztepe und Mahmat ausgestellt und zählen nach dem Schatz von „Ur“ im Britischen Museum zu den schönsten Erzeugnisse der Bronzezeit.

Troja I (3000 – 2500) und Troja II (2500 – 2200)
Diese Kultur bestand parallel zur Kultur der Hatti in Mittel- und Ostanatolien während der Bronzezeit im Nordwesten bei Çanakkale. Aus dem reichen Schatz, den Heinrich Schliemann gefunden hatte, ist jetzt nur noch ein Teil goldener Schmuckstücke im Archäologischen Museum in Istanbul zu sehen.

Wanderungen Indoeuropäischer Volksstämme nach Anatolien
Hatti-Hethitische Fürstenperiode (2100 – 1700 v.Chr.)
Am Ende des 3. Jahrtausend v.Chr. strömten in einzelnen Wellen indoeuropäische Stämme zwischen Westeuropa und Indien von Norden nach Süden und breiteten sich auf ihren Wanderungen vom Kaukasus her auch in Anatolien aus. Das Althethitische Königreich wurde 1660 – 1460 v.Chr. gegründet. Das Hethitische Großreich wurde 1460 – 1190 v.Chr. gegründet.

Der erste Rechtsstaat im Altertum: Die Hethiterherrschaft (1600 – 1190 v.Chr.)
Die Hethiter hatten einen föderativen Lebensstaat geschaffen. Sie bildeten in den letzten zwei Jahrhunderten ihrer Herrschaft zusammen mit Ägypten eine der beiden Großmächte der damaligen Welt. Sie war im Kern eine indoeuropäische Nation und schuf einen Rechtsstaat, in dem Männer und Frauen gleichberechtigt waren. Sogar die Rechte der Sklaven wurden beachtet und geschützt. Die Hethiter befanden sich menschlich auf der Ebene heutiger zivilisierter Staaten.

Kulturen, die Hellas beeinflussten:

  • Späthethitische Kultur (1200 – 700 v.Chr.);
  • Das Königreich Urartu ( 860 – 580 v.Chr.);
  • Die Phrygische Kultur ( 750 – 300 v.Chr.).

In der Gegend von Eskisehir und Afyon gibt es noch gut erhaltene phrygische Felsentempel und Gräber, die zu den eindrucksvollsten Kunstwerken der alten Zeit gehören.

     Konstantinopel hatte zwischen 330 und 565 n.Chr. für zweieinhalb Jahrhunderte als kultureller und künstlerischer Mittelpunkt der Welt große Bedeutung erlangt. In dieser Zeit wurde die Hagia Sophia (532 – 539) gebaut. Sie ist ein Zentralkuppelbau und wurde als Meisterwerk der byzantinischen Kunst weltberühmt. Daneben gibt es noch die Irenenkirche (6. und 8. Jahrhundert n.Chr.), in Ephesos die St. Johannesbasilika (Justinianszeit) und die Marienkirche (4. und 6. Jahrhundert n.Chr.) als wichtigste und am besten erhaltene religiöse Bauwerke des byzantinischen Reiches.

Selçuk und die humanistische Kultur (1071 – 1300 n.Chr.)
Die Türken kamen nach Anatolien aus Mittelasien durch ständige Streifzüge und auf dem Wege der Einwanderung. Sie hatten eine milde Herrschaftsform und gewannen die Liebe der weithin indoeuropäischen anatolischen Bevölkerung. Wer den Islam annahm, wurde Türke, wodurch seit 1071 Türken und Einheimische verschmolzen. Auf diese Weise entstand innerhalb von 900 Jahren langsam die Türkei. Das bedeutet, dass die heutigen Türken die Kinder aller Stämme sind, die in der Geschichte Anatoliens gelebt haben. Aus diesem Grund sehen die Türken die alten Kulturen in ihrem Land nicht nur als nationalen Besitz sondern gleichzeitig als das gemeinsame Erbe aller hier verwurzelten Menschen an.

Es entwickelte sich eine humanistische Kultur auf hohem Niveau. Fast in jeder seldschukischen Stadt wurde damals in den großen Krankenhäusern die Medizin und in den Sternwarten die Astronomie weiterentwickelt. Die Backsteingotik in Nordeuropa ist vom Stil her seldschukischen Ursprungs. Sie wurde dort nach den Kreuzzügen Mode, da sich die Kreuzfahrer auf ihren Zügen von den Stilelementen der Verzierung und der Architektur inspirieren ließen.

Ein prächtiges Imperium. Der osmanische Staat (1299 – 1923)
Die osmanische Architektur hat beim Bau von Türben, Medresen, Bibliotheken, Schlössern, Palästen, Badeanlagen, Verwaltungsgebäuden und besonders Aquädukten und Brücken sowohl vom architektonischen als auch vom technischen Standpunkt aus gesehen unvergleichliche Leistungen hervorgebracht. Auch die Strandvillen (yali) sind ein reizvolles Kapitel der Kunstgeschichte.

Die Türkische Republik: Ein Staat, der von Mosaiksteinchen der Kulturen zu einem großen Bild vereinigt ist und der der europäischen Gemeinschaft beitreten will.

Anatolien war die gesamte Geschichte hindurch ein „Kulturen-Mosaik“, in dem nebeneinander so unähnliche Sprachen wie die der Leleger, Kreter (Grundbestandteile der Karier- und Lykiersprachen), der Hatti, der Indoeuropäer (Hethiter, Prygier, Lydier, Hellenen, Galater, Römer usw.) der Hurri, Kaukasier, Semiten und der Ural-Altaischen Sprachgruppe gesprochen wurde. Ein derartiges Gemisch findet man auf der ganzen Welt sonst nicht.

Mit der Ankunft der Türken wurde das Kulturenmosaik in Anatolien stufenweise zu einer kulturellen und räumlichen Einheit hingelenkt. Die Seldschuken erleichterten durch gute Straßen, Steinbrücken und Karawansereien den Verkehr und machten Anatolien weitgehend zu einer räumlichen Einheit, so dass auch eine Verschmelzung der Kulturen zu einer Einheit unterstützt wurde.

Nach dem 1.Weltkrieg wurde die Türkische Republik gegründet. Mustafa Kemal Atatürk hat einen weltlichen Staat geschaffen, der nach dem Vorbild der europäischen Kultur, aus einer Nation mit einer einheitlichen Sprache und der anatolischen Geschichte aus nationalem Erbe bestehen sollte.

Das Verkehrsproblem wurde durch den Bau von Straßen und Häfen im großen und ganzen gelöst und durch die Errichtung von Wassertalsperren hat die Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie gefördert.

Die Republik Türkei ist ein nach Westen ausgerichteter, demokratischer und laizistischer Staat. Sie ist Mitglied im Europarat und in der OECD und die Aufnahme in die EG wurde beantragt. Die Türkei fühlt sich als untrennbarer Teil der westlichen Welt und versucht, eine neue Kultur zu entwickeln, die mit der westlichen Weltsicht übereinstimmt, jedoch in ihrem Wesenskern Türkisch ist.

 



     
 
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